|
Dem
aufmerksamen Leser ist nicht
entgangen, dass mein eigener Mercedes „Strich 8“ so gut wie
gar keine
Rostschäden aufweist, wie sollte ich dann über Rost bei
diesem Typ referieren
können? Es ist kein Widerspruch, denn an rostigen Exemplaren
dieser Baureihe
habe ich bereits ausgiebig gearbeitet, allerdings waren und wurden sie
nicht
mein Eigentum. Es war vielmehr meine Entscheidungsgrundlage für
ein „wenn, dann
einen sehr gut erhaltenenen". ![]() Bild: Die Pfeile zeigen auf die am stärksten von Rost betroffenen Stellen am Längsträger, insbesondere das gebogene Stück vor der Hinterachse (rechter Pfeil) muß mit einem selbstgefertigten Reparaturstück instandgesetzt werden, da von einem kompletten Heraustrennen des Längsträgers an dieser Stelle ohne Rahmenlehre abzuraten ist. Die hier gezeigten Bilder sind vom Vorgängermodell, die Arbeitsweise ist prinzipiell dieselbe, die Gestaltung des Aufbaues sehr ähnlich, wirklich völlig überraschende „Verschachtelungen“ der Bleche wie etwa beim Typ W 116 (S – Klasse „Chromkreuzer“) kennen die Baureihen W 110, 111, 108 und „Strich 8“ nicht. ![]() Bild: So sieht ein angegriffener Längsträger üblicherweise aus: Löchrig und das verbliebene Blech ist papierdünn. Was stehen bleiben kann darf nur massives unbeschädigtes Blech sein auf dem das Reparaturteil halten kann. Die meisten Exemplare sind in der Tat voll an halbherzig wenn nicht sogar dilettantisch durchgeführten Reparaturen. Den Eindruck, den die Besitzer solcher Wagen dadurch gewinnen geben sie meist mit folgenden Worten wieder: „Was man auch tut, diese Wagen rosten immer wieder durch“. Selbstverständlich tun sie dies, wenn man rostige Partien nicht saniert sondern nur mit lieblos angehefteten Dünnblechen kaschiert. Dem Augenschein einer Reparatur genüge zu tun ist leider viel zu wenig, wo Bleche rostig geworden sind muss weiträumig herausgetrennt und die geschwächten Partien wieder verstärkt werden, und zwar nicht irgendwie sondern entweder mit originalen Ersatzteilen oder sorgfältig angepassten selbstgefertigten Reparaturteilen richtiger Materialstärke. ![]() Bild:So sieht das vorbereitete Reparaturteil vor dem Einschweißen aus, an die Löcher wird der Schweißdraht mit dem Schutzgasschweißgerät zugeführt. Keineswegs immer einfach ist es das Teil zu fixieren um es einschweißen zu können. Da ab Werk die Karosserie an Falzen punktverweißt ist, hat dieses Verfahren grundsätzlich auch bei der Reparatur Anwendung zu finden. Damit nicht genug, es ist gegen erneute Durchrostung Vorsorge zu treffen! Üblicherweise rosten die Bleche in verschlossenen Hohlräumen aus den Falzen heraus, da man diese nach abgeschlossenen Schweißarbeiten nicht mit einem Pinsel lackieren kann bliebt nichts anderes übrig als mittels Sonden stark verflüssigten Lack und nach dessen langer Trocknung Hohlraumschutz auf Wachs- oder Fettbasis einzuspritzen, ein Tauchlackierverfahren wie ab Werk kann es zwar nicht ersetzen, ist aber die einzige Möglichkeit. Entsprechende Bohrungen für die Sonde sind bereits bei den Schweißarbeiten einzuplanen. All dies zusammen verhindert zwar nicht, dass an wieder anderen bislang tadellosen Stellen überraschend neue Rostschäden auftreten, aber Schweller, die nach sorgfältiger Reparatur 20 und mehr Jahre halten sind kein Mirakel sondern logische Konsequenz. |
„Der rostet schon in der
Auslage“ wird flapsig über so manch ein Problemfahrzeug
gesprochen, aber der
wahre Kern besteht tatsächlich darin, dass eine mangelnde
Rostvorsorge ab Werk
sich schnell rächt. Bis in die Siebzigerjahre war zum Beispiel
Hohlraumkonservierung so gut wie unbekannt und sogar ein
Steinschlagschutz an
den dem Spritzwasser ausgesetzten Blechen sparte manch ein Hersteller
ein.
Serienmäßiger Unterbodenschutz wurde spät aber
reumütig als Standard
eingeführt, jedoch gealterte und hart gewordene Bitumenmassen
werden gern von
Salzwasser unterkrochen und die Zersetzung nimmt ihren Lauf. Bei
Mercedes –
Benz lackierte man schon sehr lange Zeit aufwendigst und verspritzte
seit den
Sechzigerjahren PVC – Steinschlagschutzmassen, die auch die Falze
schützen
sollten. Wie sich später herausstellte reichte es oft lang, aber
nicht lang
genug um eine Legende vom dicken Blech, das „nicht rostet“
dauerhaft aufrecht
erhalten zu können. ![]() Bild: Ein gnadenlos zerfressener Radlauf hinten erzwingt Austausch von Kotflügel und Innenkotflügel mittels Original - Ersatzteilen Aus dem Physikunterricht weiß man, dass ein Material an der am stärksten beanspruchten Stelle versagt. Sinngemäß gilt das auch für die Blechfalze an selbsttragenden Karosserien. Wo das Blech „arbeitet“ rostet es auch gern. Karosserien sind „feste Körper“ jedoch nicht „starre Körper“ – auch das lernt man in der Schule. Hinzu kommt in der Praxis noch Rost an dem Spritzwasser ausgesetzten Bereichen, wobei dann ausnahmsweise sich der Rost von außen nach innen frisst. Letztere Roststellen sind das Resultat mangelnder Pflege und leicht vermeidbar, was aber nicht bedeutet, dass sie nie vorkommen. ![]() Bild: Hier sieht man die Vorbereitungen zum Einpassen des hinteren Kotflügels, er ist nicht angeschraubt sondern punktgeschweißt Zu guter Letzt möchte ich mit dem Gerücht aufräumen, dass Rost vor Rost schützt. Leider ist das ein Aberglaube, Stahl ist eine Eisenlegierung und seine Korrosion hat im Gegensatz zu jener des unedleren Aluminiums, der Chemiker nennt es dort „Passivierung“, absolut keine schützende Wirkung. Das Gegenteil ist der Fall, Eisenkorrosion ist höchst aggressiv und in Vermischung mit Salzwasser und dessen Resten von zerstörerischer Wirkung. Gleich der Karies in einem Gebiss frisst sich der Rost vorwärts und ist erst durch Heraustrennen der angegriffenen Bauelemente zu beseitigen. Rostumwandler, die von anderen Stahlkonstruktionen her bekannt sind können in verschlossenen Hohlräumen nicht angewendet werden, die „ultima ratio“ einen angegriffenen Träger ohne ihn zu tauschen „retten“ zu wollen bestünde kurzfristig durch Anwendung von Fett, aber auch dabei setzten die Hohlräume Grenzen. ![]() Bild: Das angefertigte Reparaturteil ist bereits fertig eingeschweißt, es kann mit der behandlung rostvorsorgender Methoden begonnen werden. Maschinenpark für gründliche
lesen Sie
auch die Literaturliste
|
| © Fotos: siehe gesondertes Bildverzeichnis (Datei) | © Text: Albrecht Pechinger, Wien, 2. Sept. 2007 |