Der Reichsrundfunk in Bild und Ton

Aufbau des Fernsehempfängers

Der Fernsehempfänger wird heute bereits serienweise, wenn auch zunächst nur in kleiner Auflage, hergestellt. Auf der vorigen Seite sahen wir den ersten Telefunken - ­Fernsehempfänger, der in größerer Anzahl auf den Markt kam, die Type FE IV. über seinen inneren Aufbau  gibt diese Seite Aufschluß.

Bild1
Bild 1: Schematischer Aufbau

Wie bereits erwähnt, benötigt man zur Erzielung der notwendigen Verstärkung und zur Erzeugung der Ablenkspannungen eine größere Anzahl Röhren, nämlich I3 Verstärker-, 3 Zweipol- und 2 Netz­gleichrichterröhren. Des ist teilweise dadurch be­gründet, daß man die Übertragungskreise wegen der vielen verschiedenen Schwingungszahlen, also der großen Breite des Frequenzbandes, nicht wie beim Rundfunkempfänger scharf abstimmen kann. Da­durch wird die Verstärkung pro Röhre geringer. Außerdem ist zu berücksichtigen, daß ja zwei kom­plette Empfänger für das Bild und für den Ton im Gerät enthalten sind. Der Empfängerteil besitzt als Eingangskreis eine Hornfrequenzstufe, auf die eine Überlagerungsstufe folgt. In dieser Stufe wird sowohl die Bildschwingung als auch die Tonschwingung durch einen Mischvorgang wie beim Super-Rundfunk­empfänger auf zwei verschiedene, langsamere Träger­wellen, sogenannte Zwischenfrequenzen, übertragen, die sich besser verstärken lassen.

Bild1
Bild 2: Mischteil und Zwischenfrequenzverstärker

Die Zwischenfrequenz­verstärkerteile bestehen aus 3 Röhren für die Bilder­verstärkung und 3 Röhren und einer Zweipolröhre für die Tonverstärkung. Gleichzeitig werden aus der Trägerwelle die Gleichlaufzeichen herausgesiebt und in den bereits erwähnten Kippschwingungsgeräten zur Erzeugung der Ablenkspannungen verwendet. Die Ablenkspannungen führen den Elektronenstrahl zick­zackförmig über die Bildfläche. Zur vertikalen Ab­lenkung des Elektronenstrahls benötigt man allein drei Elektronenröhren, zur horizontalen Ablenkung deren zwei.

Bild2
Bild 3: Bildverstärker und Ablenkgerät

zum Vergleich das Äußere des FE IV

 

Wir sehen die Wirkungsweise des Fernsehempfängers in einer grundsätzlichen Darstellung (Bild 1). Die der An­tenne entnommene Hochfrequenzenergie bei der Wellen wird in einem gemeinsamen Mischteil in langsamere, besser zu verstärkende Zwischenfrequenzschwingungen umgewandelt und nach entsprechender Verstärkung als Tonfrequenz dem Lautsprecher bzw. als Bild­zeichen der Braunschen Röhre zugeführt. In Bild 3 und 4 sehen wir den Bildverstärker und den Tonverstärkerteil. Bild 2 zeigt den Mischteil, in dem die Überlagerung erfolgt und damit die Zwischenfrequenz entsteht, die dann in den folgenden Röhren verstärkt wird.

Bild3
Bild 4: Tonteil

Außer dieser Ausführung eines Fernsehempfangs­gerätes ist es natürlich denkbar, einen vorhandenen Rundfunk- empfänger durch ein Ultrakurzwellen - ­Vorsatzgerät zum Empfangen der Tonsendungen ver­wendbar zu machen. In diesem Falle hätte man, um Fernsehsendungen empfangen zu können, nur ein solches Vorsatzgerät und einen getrennten Bild­empfänger ohne Tonteil zu beschaffen. Diese Möglich­keit ist auch bereits vorgesehen, und es wurde für diesen Zweck ein besonderes Ultrakurzwellen- Vorsatz­gerät entwickelt. Wir sehen also, daß sich unser Rundfunkempfänger später auch sehr gut als Grund­stock für den Aufbau einer Fernsehempfangsanlage verwenden läßt.

Bild4
Bild 5: Der Telefunken FE V von 1937

Auf der Deutschen Rundfunkausstellung Berlin 1936 wurde schließlich ein neu er Telefunken-Heim-Fernseh­empfänger gezeigt, der die Typenbezeichnung FE V erhielt. Er hat gegenüber dem vorjährigen Gerät einen anderen Aufbau. Die Braunsche Röhre ist in diesem Gerät senkrecht mit dem Schirm nach oben eingebaut, und das ferngesehene Bild wird von der Frontseite des Gerätes aus in einem schräg gestellten Spiegel betrachtet, auf dem es ohne Verzerrung und seiten­richtig erscheint. Der neuartige Aufbau des Gerätes ermöglichte eine recht ansprechende Gestaltung des Gehäuses (Bild 5). Zunächst mußte das Bestreben in erster Linie darauf gerichtet sein, die Bildgüte weiter zu verbessern. Dazu ist, wie bereits erwähnt, eine Erhöhung sowohl der Bildpunkt- als auch der Bildwechselzahl notwendig. Eine Erhöhung der Bildpunktzahl auf der Senderseite ist bei Verwendung der mechanischen Bildabtastung mit Hilfe der Nipkow-Scheibe nicht möglich. Man mußte schon bei der 180-Zeilen-Methode die Scheibe, die 3000 bzw. 6000 Umdrehungen in der Minute aus­führt und einen Durchmesser von 50 cm besitzt, im Vakuum laufen lassen, um den Reibungswiderstand auszuschalten.

  zum Inhaltsverzeichnis
 EXIT
© Fotos: siehe gesondertes Bildverzeichnis (Quellenangaben) © Text: Telefunken Funktechnik in Briefen, Berlin 1937