Mehr Platz im Frequenzspektrum

Auf Dauer die Welle, immer kürzer wie die Röcke

Erstaunlich spät, nämlich erst 1953 gab in Östereich die aliierte Militärbehörde den Frequenzbereich 87,5 bis 100 Megahertz für den zivilen Rundfunk frei. Jahre zuvor waren die Ultrakurzwellen bereits von den Nachbarländern für deren Rundfunk- und Fernsehzwecke nutzbar gemacht worden.

So geschah es, dass in Österreich der erste Nachholbedarf an Radios nach dem Kriege durchwegs mit Empfängern gedeckt wurde, denen dieser Wellenbereich, der später ausschließlich dem "Alltagsbedarf" dienen sollte, eben produktionsseitig fehlte.

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Bild: Hornyphon 548W mit Ingelen - UKW - Zusatz

Ab Sommer 1953 wiesen dann in Österreich so gut alle Geräte industrieller Produktion einen UKW - FM -Empfangsbereich auf, wobei nur ein einziger unter ihnen, der Czeija, Nissl "Papageno", welcher übrigens kaum Absatz fand, nicht nach dem Prinzip eines "Superhet" aufgebaut war sondern als UKW - Empfangsteil ein "Pendelaudion" aufwies. Dieses Entwicklungsstadium wurde in Österreich im Gegensatz zur Bundesrepublik Deutschland übersprungen und blieb Bastlern vorbehalten.

Erstaunlich selten - aber doch - wurden bereits vorhandene Geräte nachträglich für UKW - Empfang umgerüstet.

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Bild: Der UKW - Untersatzsuper von Ingelen

Exemplarisch sind hier zwei Fälle von Umbauten dokumentiert, einerseits ein Hornyphon "Maestro" des Baujahres 1947/48 und andererseits ein Radione 452W von 1951. Beides 7 - Kreiser mit eher bescheiden konstruiertem Niederfrequnzteil der nicht vollständig die bei UKW - Empfang erreichbare Klangfülle wiedergeben könnte.

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Radione 452 W - Umbau: Er bekam einen UKW - Empfangsteil, siehe nächstes Bild

Die Tonqualität ist bei dem Radione mit dem Pendelaudion nicht schlechter als bei einem ungenau abgeglichenen Super, er treten leichte - aber doch hörbare - Verzerrrungen auf, allerdings ist die Lautstärke mäßig, weil die Ausgangs - Spannung des Audions an sich eher niedrig ist. Anders der Hornyphon mit dem Untersatzsuper, hier ist es ja nichts anderes als ein zweiter gleichwertiger Empfänger, der eben den Niederfrequenzteil mitbenutzt. Die Tonqualität ist zwar unverzerrt aber die Regelmöglichkeiten konstruktionsbedingt begrenzt.

Bei Einbau eines Pendelaudions besteht natürlich keine Möglichkeit der Abstimmanzeige mittels Magischem Auge. Beim Hornyphon wurde nur keine entsprechende Leitung verlegt. Erstaunlich ist, dass beider Geräte Umbau erst nach den 50er Jahren erfolgte.

Bild links:
Es ist im kein "Tuner" an der üblichen Stelle im Radione sondern ein UKW - Pendelaudion, gebaut nach der Anleitung einer Bastler- zeitschrift

   
   Langwellen 0,15 bis 0,35 MHz
Mittelwellen 0,51 bis 1,62 MHz
    Kurzwellen 5,50 bis 16 MHz
 
   VHF Kanal I, II, 55 bis 65 Megahertz

 UKW - Hörfunk 87,5 bis 108 MHz
der Strich soll einen Sender und seine Bandbreite (0,12 MHz) zeigen
    restliche VHF - Kanäle

Grafik an der Schultafel:
"Wie oft mal sind 0,009 MHz in der Differenz von 0,35 und 0,15 MHz enthalten?"
"Etwa 22 mal"
"Richtig, setzen! Jetzt wißt ihr wieviele Langwellensender möglich sind und warum die Bandbreite so schmal ist"


Soweit unser Wissen aus der Schule. Aus der Zeitung wissen wir, dass es nie genug freie Sendefrequenzen gegeben hat und nur die Möglichkeit höhere Frequenzen zu wählen einen Ausweg darstellt. Dieser mußte nach dem zweiten Weltkrieg in Deutschland beschritten werden, da internationale Wellenpäne den Deutschen sehr wenige Frequenzen beließen. Mit dem Übergang zur UKW wurde es notwendig von Amplitudenmodulation auf Frequenzmodulation umzustellen um Störungen zu minimieren. Die Bandbreite konnte dabei erhöht werden.

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Bild: Der Grundig 38 W von 1950

Als Beispielgerät aus der noch jungen BRD ein Grundig 38 W von 1950. Das ist ein UKW - Stahlröhren - Vollsuper mit AZ11, EM11, ECF12, ECH11, EBF15, EAA11, ECL11 des Baujahres 1950. Damit ist die Frage ob es denn möglich ist einen UKW - Empfänger mit Stahröhren zu bestücken mit „ja“ beantwortet.

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Bild: Der 38W ist ein reiner Stahröhrensuper

Immer wieder taucht die Frage auf wie sich denn so einer der ersten UKW - Empfänger anhört. Heute freilich wie jeder andere, aber bedenkt man die geringe Anzahl an UKW - Sendern des Jahres 1950 muß man es auf Ballungsräume beschränken. Bei etwas größerern Distanzen erzwingt die nötige Empfindlichkeit einen Superhet, denn das Pendelaudion ist zu unempfindlich.

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Bild: Der Hochfrequenzteil - ECF 12 als UKW - „Tuner“

Über die technischen Feinheiten von "Hi - Fi" und Stereophonie zerbrach man sich vorerst noch nicht den Kopf, vielmehr galt es Schaltungen für schwierige Empfangslagen zu entwickeln.

Die frühen 50er Jahre waren die Zeit der genialen Sackgassen beim UKW - Empfang begonnen mit dem Pendelaudion über die Siebengitterröhre ("Enneode") als FM - Demodulator und die Synchrondetektorschaltung nach Körting, welche wiederum für Stereo nicht mehr verwendbar war.


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    ......wird ergänzt!
© Fotos: siehe gesondertes Bildverzeichnis (Liste) © Text: Albrecht Pechinger, Wien, 12. April 2010