Ein Volk, ein Reich, zwei Röhren

Testbericht eines Spätgeborenen

Es ist lange her, vielleicht war es 1974 als mir bei einem Verwandtenbesuch anlässlich der Begehung des neu erbauten Hauses auch das Zimmer meines Cousins gezeigt wurde. Darin befand sich neben den aktuellen Postern mit Rennautos auch ein Ding, das ich zuerst einmal mit „ist das ein Funkgerät?“ quittierte. „Nein“ – so die Tante – „das ist ein Volksempfänger“. „Aha und was ist das?“ „Nun ein altes Radio“. Mit dieser Informaton gab ich mich einstweilen zufrieden..

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Bild: Volksempfänger VE 301 Dyn (W) von Hagenuk

Etwas später sah ich diese Volksempfänger auf Flohmärkten und aus Neugierde wollte ich einen käuflich erstehen. Da die Nostalgiewelle schon eifrigst rollte wurden leider bereits Liebhaberpreise gezahlt und auch verlangt. Mein erster riß mit 700 Schilling im Jahre 1981 ein gewaltiges Loch in meine Kassa und war zudem defekt – der Trafo war durchgebrannt. Etwas mehr Glück hatte ich mit einem gut erhaltenen DKE um 300 Schilling, dieser erwies sich als betriebsbereit wider alle Erwartungen.

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Bild: Der VE ähnelt einem Markengerät so halbwegs

Mein erster Test mit dem DKE fand zu einem Zeitpunkt statt als in Wien noch ein starker Mittelwellensender in Betrieb war und der DKE gab nach Anschluß einer Antenne beim Durchdrehen des Einstellrades das übliche Quietschen von sich und nach ein paar Minuten üben hörte ich Österreich1 und nur das, an anderen Positionen waren zwar auch Sender, aber Ö1 sprach durch, denn Sperrkreis war keiner dabei. .

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DKE: Netzschalter hinten, vorne statt Skala ein Rad

Die Tonqualität war wie ich sagte „für Sprache noch erträglich“ und nach dem „aha so hört sich der an“ verließ mich die Neugierde und der DKE wanderte in eine Ecke des Archivs. 

Bild links:
Sperrkreis
als Zubehör zum Unter- drücken des Ortssenders
   
Bild links:
Transportkiste für einen VE 301Dyn der Firma Wega, man soll es nicht glauben, aber auch soetwas wird gesammelt

Eines Tages verirrte sich doch ein Volksempfänger Typ 301Dyn mit intaktem Trafo zu mir und ich beschloß ihn zu reparieren, flugs wurden alle passiven Bauelemente gegen solche neuesten Baujahres ausgewechselt was relativ rasch ging, denn viele weist er ja nicht auf und spannend verfolgte ich den ersten Probebetrieb, der enttäuschend war aufgrund der doch schon sehr stark verbrauchten Röhren. Auch nach einigem Durchprobieren meiner Röhrensammlung ergab sich der Eindruck, dass der DKE fast gleichwertige wenn nicht sogar bessere Empfangsleistungen bringt. Lediglich die Tonqualität ist bei dem VE dank seines Lautsprechers besser, aber alles andere als gut.

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Bild: Drei Antennenbuchsen je nach Anzapfung

Als Fazit bleibt mir das große Rätsel was so viele Sammler dazu bringt vergleichsweise  Unsummen für eine billigst zusammengeschusterte Massenware auszulegen, die schon sehr bald nach dem Krieg als „nicht reparaturwürdig“ galt und dies nicht etwa wegen der Reichsrundfunk – Embleme.

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Bild: Der DKE 1938, hier ein Fabrikat Ingelen

Immer wieder taucht die Frage auf: Wieviel soll man nun eigentlich wirklich für einen Volksempfänger ausgeben? Normalerweise erzielen die VE in wirklich gutem Zustand rund € 100,00 aber wie viele sind schon gut erhalten, funktionsfähig und nicht verbastelt? Im Bild unten sieht man einen notdürftig geflickten DKE und darin einen Trocken- gleichrichter anstatt der Röhre VY2. (noch 1955 üblich)

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Bild: Wo immer man hinblickt - Sparsamkeit und Pappe

Über die technischen Details gibt ein Original – Artikel von 1937/38 Aufschluß in dem alle VE und der DKE recht wortreich erklärt sind, lesen Sie dazu ebenda
zur Schaltung der VE 301

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© Fotos: siehe gesondertes Bildverzeichnis (Liste) © Text: Albrecht Pechinger, Wien, 28. Okt. 2007