Der Volksempfänger Typ „301“ und seine Varianten

Vorbemerkung:


Die Abkürzung im Namen „301“ hat nicht etwa damit zu tun, daß das Gerät 3 Röhren aufweisen soll oder es die soundsovielte Konstruktion war, erst recht nicht Synonym für eine Marke wie etwa bei Peugeot mit der Null in der Mitte der Typbezeichnung, nein es soll den 30. Jänner 1933 andeuten - den Tag der Machtergreifung der NSDAP im Deutschen Reich.

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Bild: VE 301 in Bakelit, es gab ihn auch mit Holzkasten

Rechter Knopf für Rückkopplung und linker Knopf für die Antennenankopplung sozusagen als Lautstärken - "Regler"  und der Knopf in der Mitte oben für die Abstimmung. Wellenbereich ist mit dem kleinen Knopf in  der Mitte unten umzuschalten, Netzschalter ist hinten.

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Bild: Der recht große Freischwingerlautsprecher
   

Der VE 301 W

ist ein Einkreis-3-Röhren-Empfänger (2 Verstärkerröhren und I Hilfsröhre) und besitzt folgende Bestückung:

REN 904 (Eingitter-Audionröhre),
RES
164 (direkt geheizte Endpentode),
RGN 354 (Einwegnetzgleichrimterröhre).

Der Empfänger zerfällt schaltungsmäßig in drei Teile und zwar:
1. den HF-Eingangsteil mit der Audiongleichrichter­stufe REN 904, die gleichzeitig eine NF- Verstärkung ergibt,
2. die Endverstärkung mit der Endpentode RES 164,
3. den Netzteil mit der Gleichrimterröhre RGN 354, bestehend aus Netztransformator und Siebanordnung.

Der Verstärkungsweg im Empfänger ist folgender: Antenne und Erde bilden zusammen mit einer nicht abgestimmten Spulenwicklung den sog. Antennen­kreis. Die Antennenspule setzt sich aus zwei Wicklun­gen zusammen, von denen die eine bei Langwellen­empfang (1) und die zweite bei Mittelwellenempfang / (m) verwendet wird. Die Mittelwellenspule besitzt 4, die Langwellenspule 3 Anzapfungen, mit deren Hilfe eine Anpassung an die jeweils verwendete Antenne möglich ist. Der aus Spule und Drehkondensator be­stehende Abstimmkreis des Empfängers entnimmt durch induktive Kopplung aus diesem nicht abge­stimmten (aperiodischen) Antennenkreis, die durch die Einstellung des Drehkondensators ausgewählte Schwin­gung des gewünschten Senders.

Die am Schwingkreis auftretende Resonanzspannung wird über den sog. Audionblock (Kondensator Cl und Ableitwiderstand R1) an das- Gitter der Audionröhre geführt. Der Audionblock bewirkt durch Unterdrückung der posi­tiven Spannungshalbwelle mit Hilfe des Gitterstromes die Gleichrichtung der Senderwelle, d. h. die Tren­nung der übertragenen Sprechschwingung von der Trägerwelle des Senders. Die am Gitter durch diese Gittergleichrichtung entstehenden NF-Schwingungen werden gleichzeitig in der Röhre niederfrequent ver­stärkt. An der Primärwicklung des im Anodenkreis eingeschalteten Uebertragers (NF- Trafo 1: 4) rufen die verstärkten NF-Schwingungen einen entprechen­den Spannungsabfall hervor und werden durch die Transformatorwirkung des Uebertragers (Ueber­setzungsverhältnis I: 4) verstärkt an das Gitter der folgenden Endröhre geführt. Die hochfrequente Rück-­kopplung erfolgt induktiv-kapazitiv von der Anode der Audionröhre zum Gitterkreis. Mit Hilfe der Rück­kopplungsspulen (Mittel und Lang) wird ein Teil der gleichzeitig in der Röhre verstärkten HF-Schwingung wieder an den Schwingungskreis zurückübertragen und dadurch die Entdämpfung des Kreises erzielt.Die Stärke der Rückkopplung ist durch den vorgeschalte­ten Drehkondensator einstellbar, der je nach seiner Kapazität einen mehr oder weniger großen Teil der HF-Spannung aufbraucht. Um einen guten und vor allem weichen Einsatz der Rückkopplung zu erzielen, liegt parallel zum Ausgang der Röhre ein kleiner Kondensator (Co), der einen Teil der HF-Spannung parallel zum Rückkopplungszweig ableitet.


Schaltplan 301DynW

Schaltplan des ersten Volksempfänger, des 301W, siehe Text

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Bilder: Wie bei Markengeräten gab es einen Prospekt...

Änderungen im VE 301 Dyn:

Bei diesen beiden Empfängertypen handelt es sich ebenso wie bei dem VE 301 W um einen Einkreis-3­Röhrenempfänger, doch ist die Schaltung in mehr­facher Hinsicht nach neuzeitlichen Gesichtspunkten entwickelt und verbessert und dadurch der Empfänger in seiner Gesamtheit entsprechend leistungsfähiger. Die Schaltung des 1938 auf den Markt gekommenen VE 301 dyn. stimmt mit dem im Jahre 1937 ent­wickelten VE 301 Wn mit Ausnahme des Laut­sprechers fast vollständig überein. Beide Empfänger besitzen folgende Bestückung:
AF 7 (HF-Pentode als Audiongleichrichter)
RES 164 (Endröhre)
RGN 354 (Einwegnetzgleichrichter)

Ebenso wie der VE 301 W zerfällt dieser Empfänger schaltungsmäßig in HF- Teil mit Audiongleichrichtung, Endstufe und Netzteil. Der wesentliche Unterschied besteht darin, daß an Stelle einer Eingiterröhre eine HF- Pentode in die Audionstufe einge­setzt ist.

Die höhere Verstärkung dieser Mehrgitterröhre macht es möglich, an Stelle des Transformators eine einfache Widerstandskopplung zwischen Audion und Endröhre einzusetzen. Eine solche Widerstandskopplung ergibt bekanntlich bei außerordentlich einfachem Aufbau eine sehr gleichmäßige Verstärkung des zu verstärken­den Tonbandes und ist daher klangmäßig vorteilhaft. Um die Klangwirkung voll auszunutzen, wurde gleich­zeitig ein verbesserter Lautsprecher (ebenfalls Frei­schwinger) verwendet, so daß das Gerät im ganzen gesehen eine merkliche Verbesserung der Wiedergabe erzielen ließ. Auch der im Eingang verwendete Spulen­satz wurdewesentlich vereinfach  und die beim VE 301 benutzten Luftspulen sind durch Eisenspulen ersetzt. Auch diese Maßnahme brachte Vorteile in bezug auf Verstärkung und Trennschärfe. Gleichzeitig ergab sich eine wesentliche Bedienungserleichterung dadurch, daß ein Umstecken der Antenne beim Uebergang von Mit­tel- auf Langwellenempfang nicht mehr wie beim VE 301 notwendig ist, sondern die Umschaltung ein­fach durch Betätigen des Spulenschalters erfolgen kann. Der VE 301 dyn. stellt das klangmäßig am weitesten entwickelte Gerät der Gemeinschaftsserie dar. Die vor­zügliche Klangwirkung wird vor allem dadurch er­zielt, daß an Stelle eines Freischwingerlautsprechers ein dynamischer Lautsprecher verwendet wird. Der dynamische Lautsprecher besitzt bekanntlich die Eigen­schaft, insbesondere die tiefen Töne gut und klangecht wiederzugeben. Im übrigen zeigt die Schal- tung des Ver­stärkerteiles gegenüber der Schaltung des VE 301 Wn keine Abweichungen, der Netzteil dagegen mußte mit Rücksicht auf die für die Erregung der Feldwicklung des Lautsprechers notwendige zusätzliche Lei­stung entsprechend stärker dimensioniert werden. An Stelle der beim VE 301 Wn verwendeten Gleich­richterröhre RGN 354 wird beim VE 301 dyn die Zweiweggleichrichterröhre RGN 1064 benutzt, deren beide Anoden parallel geschaltet sind, d. h. sie arbeitet als Einweggleichrichter. Um für die Feldwicklung des dynamischen Lautsprechers die notwendige Strom­stärke zu erzielen, ist hinter diese Spule ein Belastungs­widerstand von 20 Ω parallel zum Empfängerein­gang geschaltet, der einen Querstrom von 8 mA auf­nimmt. Dadurch erhöht sich der beim VE 301 Wn nur etwa 16 mA betragende Empfängergesamtstrom auf 14 mA. Dieser Gesamtstrom wird zur Erregung der Feldwicklung verwendet, und zwar ist die Schaltung so durchgeführt, daß die Feldwicklung gleichzeitig als Siebdrossel des Netzteiles dient. Da der durchfließende Strom ca. 24 mA beträgt und an der Feldwicklung eine Spannung von 140 V liegt, so ergibt sich daraus eine Erregerleistung von etwa 3½ Watt. Die vom Gleichrichter gelieferte Gleichspannung muß natürlich entsprechend hoch sein und beträgt ca. 360 V. Da der Gesamtstrom beim VE 301 dyn. höher ist, so wird der Widerstand, an dem die Gittervorspannung für die Endröhre erzeugt wird, und der beim VE 301 Wn 750 Ω betragen muß, mit nur 450 Ω gewählt.

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Bild: Die mitgelieferte Betriebsanleitung
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 ....mit vielversprechenden Bildern und Preisliste

In der Endstufe ist die RES 164 eingesetzt, die direkt mit Wechselstrom geheizt wird und daher parallel zur Heizwicklung ein sog. Brummpotentiometer erforder­lich macht, mit dessen Hilfe ein künstlicher Span­nungsnullpunkt geschaffen wird. An diesem künst­lichen Nullpunkt treten trotz der an den Enden des Potentiometers vorhandenen Wechselspannung kei­nerlei Spannungsschwankungen auf, da die Spannungsänderungen an den Enden der Heizwicklung in bezug auf diesen Punkt jeweils entgegenwirken und sich damit aufheben. Das über den Gittereingangskreis am Chassis liegende Steuergitter ist daher in bezug auf die Heizwicklung gleichfalls von den Spannungs­schwankungen befreit und auf diese Weise wird das Auftreten von Brummstörungen auf ein Mindestmaß herabgesetzt.

Die notwendige Gittervorspannung für die Endröhre wird an einem Widerstand Ra erzeugt, der in der für die beiden Verstärkerröhren gemeinsamen negativen Anodenstromzuleitung liegt. Der gesamte Kathoden­strom der beiden Röhren, der durch diesen Wider­stand fließt, erzeugt einen Spannungsabfall, der über ein Siebglied und über die Sekundärseite des NF­- Uebertragers an das Gitter der RES 164 geführt wird und als negative Gittervorspannung wirkt. Das Sieb­glied R4C4 dient zur Glättung der am Widerstand Ra noch vorhandenen pulsierenden Gleichspannung.

Die Schutzgitterspannung für die Endröhre muß durch einen Vorwiderstand Rs auf den vorgeschriebenen Wert von ca. 80 Volt herabgesetzt werden. Um zu verhindern, daß am Schutzgitter durch den Steuervor­gang eine Wechselspannung hervorgerufen wird, die der Steuerwirkung des ersten Gitters entgegenwirken , würde, liegt zwischen Schutzgitter und Chassis ein Entkopplungskondensator Cs. Im Anodenkreis der Endröhre ist die Wicklung des Lautsprechers einge­schaltet, die auf diese Weise von der Endröhre die notwendige Wechselstromleistung erhält. Parallel zum Lautsprecher liegt ein Klangkondensator, der die besonders durch die Eigenart des magnetischen Laut­sprechers bevorzugte Wiedergabe der höheren Fre­quenzen etwas abschwächt und dadurch die Klang­wiedergabe natürlicher macht

Im Netzteil werden die notwendigen Betriebsspan­nungen für die Empfängerröhren erzeugt und zwar die Gleichspannungen für die einzelnen Elektroden und die Wechselspannungen zur Heizung der Empfänger­röhren. Dazu ist zunächst der Netztransformator vor­gesehen, der durch eine entsprechende Anzapfung der Primärwicklung 1 eine Anpassung des Uebersetzungs­verhältnisses an Netzspannungen von 110, 125 und 220 Volt ermöglicht. In allen diesen Fällen wird an der Sekundärwicklung II durch entsprechend ange­paßte Uebersetzungsverhältnis die gleiche Wechsel­spannung erzeugt. Die Sekundärseite besitzt 3 Win­dungen und zwar 2 Heizwicklungen von je 4 Volt, von denen die eine zur Heizung der Gleichrichtep röhre (IV), die zweite (III) zur Heizung der Empfän ­gerrÖhren dient, und eine Hochspannungswicklung (II), die eine Wechselspannung von ca. 300 Volt liefert.

Diese Wechselspannung wird durch die Gleichrichter­röhre RGN 354 in sog. Einweggleichrichtung gleich­gerichtet. Dabei wird jeweils eine Halbwelle der Wechselspannung durch die bei negativer Anode ge­sperrte Röhre unterdrückt. Bei derjenigen Halbwelle, bei der die Gleichrimterröhre leitend ist, erfolgt eine Aufladung des Ladekondensators. Vom Ladekonden­sator aus wird Gleimstrom über den anschließenden Siebteil für die beiden Anoden und für das Schutz­gitter der Endröhre geliefert. Das aus dem Siebwider­stand RS und dem Siebkondensator CS gebildete Sieb­glied bewirkt eine Glättung der am Ladekondensator noch sehr stark pulsierenden Gleichspannung. Man kann dieses Siebglied als einen Spannungsteiler auf­fassen, der die am Ladekondensator noch vorhandene überlagerte Wechselspannung (50 Hz) derart aufteilt, daß an dem verhältnismäßig geringen Wechselstrom­widerstand des Siebkondensators eine sehr kleine und nimt mehr störende WemseIspannung zurückbleibt. Eine weitere Siebung für den Eingangskreis der Endröhre wird wegen der noch in der Endröhre vorhan­denen NF- Verstärkung durch ein zusätzliches Sieb­glied R2C2 bewirkt, das in der Anodenzuleitung der Vorröhre liegt und in gleicher Weise wirkt wie das Siebglied des Netzteiles. In gleicher Weise glättet auch das in der Smutzgitterzuleitung der Endröhre liegende Siebglied.

zur Erläuterung der Schaltung des DKE

→ein Volk ein Reich zwei Röhren
→Deutscher Kleinempfänger 1938
→Zubehör und Details
Schaltplan 301DynW

Schaltplan des Volksempfänger 301Dyn W, die Feinheiten sind im Text erläutert

© Fotos: siehe gesondertes Bildverzeichnis (Liste) © Text: Albrecht Pechinger, Wien, 28. Okt. 2007