Deutscher Kleinempfänger 1938

Vorbemerkung:
Die Verbundröhre VCL 11 mit ihrer stromsparenden Heizung von 4½Watt ist für den DKE typisch.
    Optimiert war der DKE in punkto Preis, er durfte nicht mehr kosten als der niedrigst mögliche Wochenlohn, also etwa 40 Reichsmark.
Schaltbild DKE

Das Schaltbild des DKE mit Erläuterungen

Die Technik des DKE 1938

Es handelt sich ebenso wie beim Volksempfänger um ein Einkreisgerät, das jedoch von vornherein für 110 - 240 V All­stromanschluß entwickelt wurde und einen 2 - Röhren - ­Empfänger ( 1 Verstärkerröhre und 1 Hilfsröhre) dar­stellt (siehe Schaltplan). Die Verstärkerröhre ist als Verbund­röhre aufgebaut und enthält zwei Systeme. Die Be­stückung des Empfängers besteht aus den beiden Röhren:
V CL
11 (Triode/Tetrode als Audiongleichrichter und Endstufe geschaltet) und
V Y 2 (indirekt geheizter Einwegnetzgleichrichter­röhre).

Bild1
Bild: nein, das hier ist die ungarische Lizenzfabrikation

Der DKE stellt einen Allstromempfängertyp dar, bei dem das Verhältnis Aufwand zur Leistung einen Höchstwert erreicht. Mit einer einzigen Verstärker­röhre, der V CL I I, wird eine Empfindlichkeit erzielt, die nahezu an die des Volksempfängers herankommt und den sicheren Empfang der Orts- bzw. Bezirks­sender und bei günstigen Empfangsbedingungen auch Fernsenderempfang gestattet. Allerdings stellt diese Röhre, die speziell für den Kleinempfänger entwickelt wurde, eine sog. Verbundtype dar, d. h. im Inneren des Kolbens sind zwei Verstärkersysteme unterge­bracht.

Bild2
Bild: die originale Bedienungsanleitung

Der Schaltungsaufbau des DKE stimmt in den Grundzügen mit dem VE 301 überein, jedoch ist er wesentlich vereinfacht. Das Triodensystem dient zur Vorverstärkung und ist als Audiongleichrichter ge­schaltet (ähnlich REN 904 beim VE 301), das End­system stellt dagegen eine Tetrode (Schutzgitterröhre ohne Bremsgitter) dar, die in ihrer Wirkungsweise einer Endpentode (RES 164) entspricht.

   

Um mit mög­lichst geringem Schaltaufwand auszukommen, war von vornherein die Bedingung gestellt, zwischen den bei­den Röhrensystemen die schaltungsmäßig einfache Widerstandskopplung anzuwenden. Das Trioden­system mußte dementsprechend eine genügend hohe Verstärkungseigenschaft bekommen, die durch kleinen Durchgriff erzielt wurde. Die Gittervorspannung für das Endsystem wird mit Hilfe eines in die Kathoden­zuleitung eingeschalteten Widerstandes halbautoma­tisch erzeugt. .

Bild3
Werksbild: Chassis von unten

Die Anoden der beiden Systeme sind durch einen Widerstand (2 MΩ) miteinander verbun­den, der eine Gegenkopplung bewirkt. Gitter und Anoden des Endsystems sind durch einen kleinen Kon­densator überbrückt (30 pF), der zur Unterdrückung der Störschwingungen dient.

Bild4
Werksbild: Chassis im Schrägriß

Im übrigen zeigt die Schaltung einen sehr einfachen Aufbau. Der Netzteil enthält die indirekt geheizte Gleichrichterröhre V Y 2 und eine Siebanordnung, bestehend aus einer Sieb­drossel in Verbindung mit 2 Kondensatoren (je 4 µF). Die Heizfäden der beiden Röhren sind in Reihe ge­schaltet und über einen für Netzspannungen von 110, 130, 150, 220 und 240 Volt einstellbaren Vorwider­stand an die Eingangsspannung angeschlossen.

  Schlußbemerkung:
Obwohl werksseitig kein Spielraum für Veränderungen gegeben war - es wurde nämlich exakt soviel Material vom reichsrundfunk geliefert für die Endmontage als nötig - überboten sich jahrelang zahllose Bastler mit Verbesserungen,  allein nur um alle Möglichkeiten der VCL 11 voll nutzen zu können.

→Zubehör und Details

→Ein Volk ein Reich zwei Röhren
→Volksempfänger VE 301
→Inhaltsverzeichnis

 
© Fotos: siehe gesondertes Bildverzeichnis (Liste) © Text: Albrecht Pechinger, Wien, 28. Okt. 2007